Rückblick Herbstsaison 2025
Zahlen x Daten x Fakten
Mit vielen Zahlen und Statistiken blicken wir noch einmal auf die abgelaufene Herbstsaison 2025 der ADMIRAL Bundesliga zurück…
TSV Egger Glas Hartberg: Wir drehen die Zeit um 365 Zage zurück: Mit 20 Punkten überwinterte der TSV auf Platz acht und hielt sich bis zum Ende des Grunddurchgangs auf diesem. Sieben Zähler trennten die Blau-Weißen von der Meistergruppe, im unteren Play-off sicherte man früh den Klassenerhalt und beendete die Saison souverän auf Rang acht. Zum vierten Mal nahm Hartberg am Europacup-Play-off teil, wo man gegen den LASK den Kürzeren zog – eine solide Saison, die von einem historischen Ereignis überstrahlt wurde: dem Cupfinale! Nach dem sensationellen Halbfinalsieg auswärts gegen die Wiener Austria herrschte fast einen Monat Ausnahmezustand in der Oststeiermark. Neuland für Hartberg – ein unvergesslicher 1. Mai 2025 in Klagenfurt. Bei Traumwetter pilgerten rund 7.500 Fans in die Lindwurm-Stadt und feierten den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Sportlich endete das Finale 0:1 – die Chance war da, das „i-Tüpfelchen“ blieb aus. Doch die schönen Erinnerungen und die Einzigartigkeit dieses einmaligen Erlebnisses überwiegen. Individuelle Highlights: Avdijaj krönte sich mit 7 Toren zum Cup-Schützenkönig, Mijic glänzte mit 12 Treffern als viertbester Liga-Torschütze.

ADMIRAL Bundesliga. Die Vorsaison weckte im Sommer 2025 wieder Begehrlichkeiten: Leistungsträger wie Omoregie, Demir (beide Leihende), Pfeifer (ablösefrei zu 1860 München), Avdijaj (ablösefrei zum WAC) und Sallinger (Wechsel zu Hibernian FC) verließen den Verein. Mit Lukas Spendlhofer, der nach Österreich zurückkehrte, gelang ein echter Glücksgriff: Er entwickelte sich zum Abwehrchef und ersetzte Paul Komposch, der sich beim Trainingsstart einen Kreuzbandriss zuzog. Neue Leistungsträger formten sich schnell: Ritzy Hülsmann und Leihspieler Maxi Hennig (beide FC Bayern) sowie Rapid-Leihgabe Dominic Vincze ergänzten Kapitän Jürgen Heil, Eigenbauspieler Fabian Wilfinger und den neuen TSV-Torjäger Elias Havel. Letzterer kam erneut vom LASK auf Leihbasis, diesmal mit fester Kaufoption, und erzielte in 20 Spielen bewerbsübergreifend 13 Tore. In der Liga führt Havel, der mit unglaublicher Schnelligkeit auffällt, mit 10 Treffern und drei Vorlagen die Torschützen- und Scorerwertung an. Sein Formanstieg blieb nicht unbemerkt: Teamchef Ralf Rangnick hatte ihn im November bereits auf Abruf – die Hoffnung auf eine Teilnahme an der WM 2026 in den USA lebt damit weiter.
Nach 17 Runden liegt der TSV Egger Glas Hartberg mit 26 Punkten (2024: 21, 2023: 29, 2022: 14, 2021: 20, 2020: 21, 2019: 27, 2018: 23) wie erwähnt auf dem starken vierten Tabellenplatz. Punktegleich mit den unmittelbaren Verfolgern Austria Wien und Ried präsentiert sich das Klassement extrem eng: Der Vorsprung auf Rang sieben beträgt lediglich einen Punkt, der Rückstand auf Platz zwei nur drei Zähler. Ein wahres Gemetzel, wie es der österreichische Fußball in dieser Form noch nie erlebt hat, zeichnet sich ab. Die fünf verbleibenden Runden bis zur Tabellen- und Punkteteilung versprechen eine mentale Schlacht. Ein gutes Omen liefert jedoch die Vergangenheit: Überwinterte der TSV in den Top 6, gelang am Ende stets auch der Einzug in die Meistergruppe. Heil, Kainz & Co. werden alles daransetzen, diesen Platz nicht mehr aus der Hand zu geben und erneut den Sprung in die Meistergruppe zu schaffen. Vor der Saison (und teilweise auch noch nach den ersten Liga-Runden) wieder als Abstiegskandidat abgestempelt, zeigte der Klub aus der Oststeiermark einmal mehr, dass hier in Ruhe gut gearbeitet wird und die Einheit, das Teamgefüge über jeden Einzelnen steht.
Der TSV hat im Frühjahr den dritten Meistergruppeneinzug in der eigenen Hand. Ein entscheidender Faktor könnte das neu adaptierte Stadion sein, das sich erneut zu einer Hartberger Festung entwickelt. Von den fünf ausstehenden Spielen finden drei zuhause statt. Das kleine Schmuckkästchen wurde in nur sechs Monaten unter der Führung von Totalunternehmer Grabner Gruppe Hartberg umgebaut, am 22.11. mit einem Heimsieg gegen Ried eingeweiht und eine Woche später gegen den SK Sturm offiziell eröffnet. In der Jahrestabelle 2025 (alle 33 Ligaspiele im Kalenderjahr) liegt der TSV hinter dem LASK und Salzburg auf Platz 3 (!). FORZA TSV!
Speziell und historisch zugleich war die 9. Runde: das Auswärtsspiel beim LASK. Einerseits lief die jüngste Startelf der TSV-Geschichte auf – im Schnitt gerade einmal 23 Jahre und 144 Tage alt. Wilfinger, Havel und Hoffmann brachten den TSV früh auf die Siegerstraße und sorgten für eine scheinbar komfortable 3:0-Führung. Doch dann folgte ab Minute 89 das Drama: Aus dem Nichts kassierte der TSV Gegentore in der 89., 92. und 94. Minute. Endstand 3:3! Ein derartiger Spielverlauf ist seit Beginn der Bundesliga-Aufzeichnungen einmalig – schlicht kurios. Die Nachspielzeit erwies sich im Herbst als große Achillesferse des TSV. Denn rechnet man alle Spiele nur bis zur 90. Minute, würde der TSV als Tabellenführer dastehen. Irrer Wert.
Ein Blick auf die Torschützenliste lässt das TSV-Lager jubeln: Elias Havel führt mit zehn Volltreffern und bestätigt damit eindrucksvoll seine starken Leistungen im Herbst. Hinter ihm lauern Ratkov (Salzburg/9) und Kiteishvili (Sturm/8). Auffällig ist die offensive Breite: 13 verschiedene Spieler erzielten bislang Tore für den TSV – im Herbst des Vorjahres waren es noch acht. Das ist Ligabestwert, gemeinsam mit der Wiener Austria. Zudem erzielten die Hartberger zwölf Tore nach Ballführungen eines Spielers über mindestens fünf Meter, ebenfalls Liga-Topwert. Mehrfachtorschützen im TSV-Dress waren Lukas Fridrikas (3) sowie Marco Hoffmann und Jed Drew (je 2). Für die meisten Assists zeichnet ein Trio verantwortlich: Elias Havel, Tobias Kainz und Maxi Hennig bereiteten jeweils drei Treffer vor. Besonders bemerkenswert: Tormann Ritzy Hülsmann steuerte zwei Assists bei – ein Kunststück, das seit Beginn der Datenerfassung zuvor nur Jörg Siebenhandl (2 Assists 2013/2014) gelang. Auch in den Effizienz-Wertungen ist der TSV ganz vorne zu finden: Chancenverwertung (15,9 %) und Schussgenauigkeit (54,4 %) bedeuten jeweils Ligaspitze. Die bislang 26 erzielten Tore sind hinter Salzburg nicht nur die zweitmeisten der Liga, sie verteilen sich zudem gleichmäßig auf beide Halbzeiten.
22 verschiedene Spieler kamen in dieser Saison bislang zum Einsatz. Ein Quartett stand in allen Spielen auf dem Feld: Dominic Vincze, Benjamin Markus, Tobias Kainz und Elias Havel. Dennoch absolvierte kein Akteur die vollen 1.530 Minuten – die meisten Einsatzminuten sammelte Benjamin Markus mit 1.485 Minuten. Zum absoluten Stammpersonal zählen Torhüter Ritzy Hülsmann, die Abwehrspieler Dominic Vincze, Fabian Wilfinger und Lukas Spendlhofer sowie Torjäger Elias Havel. Alle standen jeweils über 1.350 Minuten auf dem Platz. Der Kader weist ein Durchschnittsalter von nur 24 Jahren auf. Auch beim Österreicher-Anteil setzt der TSV Maßstäbe: Mit 72,4 Prozent sowie einem entsprechend hohen Anteil an Einsatzminuten zählt Hartberg zur Ligaspitze. Besonders stolz ist man im Verein darauf, dass mit Fabian Wilfinger weiterhin ein echter Hartberger zum Fixpersonal von Trainer Manfred Schmid gehört.
Der TSV weist ligaweit die höchste Nettospielzeit auf: 55:51 Minuten pro Spiel, was 57 Prozent der Bruttospielzeit entspricht – Bestwert unter allen Bundesligisten. Zum Vergleich: Schlusslicht Ried kommt auf nur knapp 46 Minuten. Die längste Siegesserie gelang im sogenannten Goldenen Herbst und hielt drei Runden (Spieltag 12–14). Noch stabiler präsentierte sich der TSV in der längsten ungeschlagenen Serie: sechs Spiele in Folge ohne Niederlage (Spieltag 9–14). Besonders beeindruckend war dabei eben jener Goldene Herbst: sechs Spiele hintereinander ohne „Nuller“ – mit drei Siegen und drei Remis. Diese Serie ist umso bemerkenswerter, da der TSV aufgrund des Stadionumbaus ganze 13 Auswärtsspiele in Folge bestreiten musste. Die nominellen Heimspiele wurden dabei viermal im „Exil“ in der Südstadt ausgetragen. Die längste sieglose Phase dauerte zwar fünf Runden (Spieltag 7–11), doch bemerkenswert bleibt: Nie gab es zwei Niederlagen in Serie. Ein ungelöstes Kapitel bleibt Red Bull Salzburg – der Serienmeister ist und bleibt der einzige Bundesligist, den der TSV in der Bundesliga bislang noch nie besiegen konnte. Anders sieht es gegen Aufsteiger Ried aus: Die Innviertler wurden im Herbst zweimal mit 2:0 bezwungen, auch in früheren Bundesliga-Duellen ging der TSV bereits mehrfach als Sieger vom Platz. Altach bleibt der klare TSV-Lieblingsgegner: Gegen keinen der elf aktuellen Bundesliga-Klubs feierte Hartberg mehr Siege (11). Im bislang einzigen Saisonduell im Ländle verspielte der TSV allerdings eine 2:0-Führung und musste sich am Ende mit einem 2:2 begnügen.
Im Sky Player Index setzte sich Tomi Horvat (Sturm Graz) als Spieler der Herbstsaison durch – vor seinem Teamkollegen Otar Kiteishvili und Dejan Zukić (WAC). Die bestplatzierten Hartberger im Ranking: Elias Havel auf Rang 13, Ritzy Hülsmann auf Platz 31 und Lukas Spendlhofer auf Rang 53. Eine Statistik, die jedoch mit der nötigen Vorsicht zu interpretieren ist. Unabhängig davon liefern einige Zahlen starke Einzelwerte: Lukas Spendlhofer kommt mit 72 Prozent auf die beste Zweikampfquote der gesamten Liga. Elias Havel führt mit 13 Scorerpunkten diese Wertung an und gab 52 Torschüsse ab – Ligahöchstwert – und bestätigte damit seinen Status als neuer Hartberger Torjäger. Ritzy Hülsmann vereitelte sieben Großchancen, verbuchte 40 Paraden und kommt auf eine Abwehrquote von rund 67 Prozent, was dem Ligamittelfeld entspricht.
Der Herbst war für den TSV auch abseits des Rasens besonders: Aufgrund des Stadionumbaus wurden die ersten vier Heimspiele in der Südstadt, die restlichen vier in Hartberg ausgetragen. Trotz dieser Umstände kamen im Schnitt über 3.000 Zuschauer zu den Heimspielen. Gegen Rapid Wien war die Datenpol Arena, gegen Sturm Graz die Profertil Arena restlos ausverkauft. Zudem war es wirtschaftlich das erfolgreichste Jahr der Geschichte. Ein weiterer, wichtiger Meilenstein des kleinen Klubs aus der Oststeiermark. Danke für eure Treue und Unterstützung!
UNIQA ÖFB CUP. Der TSV Egger Glas Hartberg ist nach dem Finaleinzug in der Vorsaison im Pokalbewerb 2025/2026 leider nicht mehr vertreten. Nach einem souveränen 5:2-Auftaktsieg in Lafnitz mussten die Hartberger in der zweiten Runde beim Gastspiel in Velden Überstunden einlegen, setzten sich schließlich jedoch klar mit 3:0 nach Verlängerung durch. Im Achtelfinale folgte auswärts gegen Blau-Weiß Linz das bittere Aus. Der TSV lief dabei zweimal einem Rückstand hinterher, sowohl die reguläre Spielzeit als auch die Verlängerung endeten jeweils 1:1. Die Entscheidung fiel im Elfmeterschießen, in dem auf beiden Seiten nahezu alle Schützen trafen – mit einer Ausnahme. Patrik Mijic scheiterte vom Punkt, womit der Vorjahresfinalist die Segel streichen musste und nicht im Cup überwintert. Dennoch eine beeindruckende Bilanz, denn in den vergangenen 3 1/2 Jahren verlor der TSV nur ein einziges Cup-Spiel nach 90 Minuten (0:1 im Finale gegen den WAC).
Statistiken über Statistiken – am Ende zählt nur das Ergebnis. Der TSV hat einen starken Herbst gespielt, in dem sogar noch mehr möglich gewesen wäre. Das nächste Etappenziel ist klar definiert – wie für acht, neun weitere Klubs lautet es: Meistergruppe. Nun gilt es, sich auf ein äußerst spannendes Frühjahr bestmöglich vorzubereiten. Mit Vorfreude, Motivation und voller Überzeugung blickt der TSV auf die kommenden Aufgaben. Fünf Runden bleiben bis zum Ende des Grunddurchgangs – und in diesen wird Hartberg voll da sein.
Eindrücke
Fotos: GEPA pictures | TSV Hartberg
Statistiken: Österreichische Fußball Bundesliga | Opta by Stats Perform