Sieg und Führung verschenkt – 2:2 in Tirol
Spielbericht
Markus Schopp musste neben den Langzeitverletzten Lukas Fridrikas und Agustin Urrutia auch weiterhin auf die Außenverteidiger Luca Pazourek und Manuel Pfeifer verzichten. Alle vier konnten die Reise nach Tirol verletzungsbedingt nicht mitmachen. Die unter der Woche angeschlagenen Wilfinger und Schopp wurden jedoch rechtzeitig fit. Die Hausherren hatten zwar mehr Ballbesitz, wurden in der ersten Halbzeit aber nur selten gefährlich. Unsere Hartberger waren gut eingestellt und gingen nach einer kurzen Abtastphase nach einer Viertelstunde in Führung. Oliver Lukic erzielte per Aufsitzer-Freistoß sein allererstes Bundesliga-Tor. Nur eine Minute später die nächste Hartberger Offensivaktion über Lukic, dessen Pass in die Tiefe gerade noch von einem Tiroler Fuß entscheidend gestört werden konnte. Die beste Chance der WSG hatte der flinke Michael Olakigbe. Konstantin Schopp rutschte daneben, der Sommerneuzugang der Semlic-Truppe kam dadurch aus aussichtsreicher Position zum Abschluss, doch TSV-Goalie Armin Pecsi zeigte eine starke Parade und bewahrte seine Mannschaft vor dem Ausgleich (20.).
In der 30. Minute MUSS der TSV eigentlich das 0:2 erzielen. Drei Hartberger liefen auf einen Tiroler zu. Nach einem Ping-Pong-Ball hätte Youba Diarra das Duo Gattermayer-Hoffmann in Szene setzen können, entschied sich jedoch dafür, selbst den Abschluss zu suchen – und blieb an Moritz Oswald hängen. Schade! Kurz darauf die nächste Möglichkeit: Fabi Wilfinger eroberte hoch den Ball, Marco Hoffmann scheiterte nach einem Doppelpass mit Lukic aus spitzem Winkel an WSG-Goalie Hamzic. Danach wurden die Wattener stärker. Taferner prüfte Pecsi nach einem Eckball mit einem Weitschuss, doch die Liverpool-Leihgabe war hellwach und parierte sicher (35.). In dieser Phase verlor der TSV das Spielgerät zu schnell, auch die Zuordnung stimmte nicht immer. Doch kurz vor der Pause dann das 0:2 für unsere Blau-Weißen! Hoffmann verlängerte einen Freistoß von Tobias Kainz und traf zur vielumjubelten Pausenführung (43.).
Nach dem Seitenwechsel passierte zunächst wenig. Hartberg verteidigte kompakt und kompromisslos und ließ kaum Großchancen zu. In der 65. Minute kratzte Konstantin Schopp einen Ball in letzter Sekunde von der Linie und verhinderte damit den Anschlusstreffer. Auf der Gegenseite wäre beinahe der dritte Hartberger Standardtreffer gefallen. Nach einem Eckball lief Konstantin Schopp perfekt ein, scheiterte mit seinem Kopfball jedoch an Hamzic, der sich stark streckte und den Ball noch über die Latte drehen konnte (68.).
In der 72. Minute passierte dann genau das, was man im Hartberger Lager unbedingt vermeiden wollte: der Anschlusstreffer der WSG Tirol. Der eingewechselte Lukas Hinterseer traf nach einem Corner völlig freistehend per Kopf zum 1:2. Bei diesem ruhenden Ball fehlte in der Defensive die Zuordnung – und plötzlich wurde die Schlussphase unnötig spannend. Offensiv war vom TSV in der Folge kaum noch etwas zu sehen. Die Schopp-Truppe hielt dem Dauerdruck der Hausherren lange stand. Die ganz großen Chancen der WSG blieben aus, doch über die Zeit bringen konnte Hartberg die Führung letztlich leider nicht. Wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff schubste Lukic WSG-Offensivspieler Thomas Sabitzer unnötigerweise mit beiden Händen im Strafraum. Schiedsrichter Untergasser entschied folgerichtig auf Strafstoß. Murat Satin ließ Pecsi keine Chance und verwandelte trocken zum 2:2-Ausgleich.
Danach war Schluss. Ärger und Enttäuschung im TSV-Lager waren groß. Der Sieg wurde in den letzten Minuten aus der Hand gegeben. Dass die Mannschaft zumindest weiterhin ungeschlagen bleibt, ist angesichts des Spielverlaufs nur ein schwacher Trost. Es fühlt sich wie eine Niederlage an.
Stimmen zum Spiel
Markus Schopp
Hartberg-Cheftrainer
„Es ist eine gefühlte Niederlage. Wenn man die letzten 25 Minuten hernimmt, geht das in Ordnung. Wir waren nur noch destruktiv, wollten es über die Zeit bringen. Das ist der falsche Ansatz und naiv, um nicht dumm zu sagen. Mancher muss verstehen, dass man sein Spiel weiterspielen muss und nicht ängstlich versucht zu überleben. Aber wir sind in einem Lernprozess, und man sieht, dass die Jungs in jedem Spiel reifer werden.“
Philipp Semlic
Tirol-Trainer
„Wir haben in der ersten Hälfte eigentlich alles unter Kontrolle gehabt. Aber mir haben beim Energielevel ein paar Prozent gefehlt. Und dann verteidigst du Standardsituationen nicht mit der nötigen Aggressivität. In der zweiten Hälfte hat genau das gepasst, wir hatten auch mehr Qualität und Intensität im Ballbesitz. Aufgrund der Energiesteigerung war es ein hochverdienter Punkt.“
Marco Hoffmann
TSV-Torschütze
„Erste Halbzeit haben wir es sehr gut gemacht. Wir waren vorne giftig, haben mit hoher Intensität gespielt. Wir waren besser und genau das Gegenteil war zweite Halbzeit. Wir haben keine Duelle mehr gewonnen, die Offensivaktionen nicht mehr sauber fertig gespielt und die letzten 20 Minuten einfach nur mehr auf das Verteidigen konzentriert und das war zu wenig.“
Infos zum Spiel
WSG Tirol 2:2 (0:2) TSV Egger Glas Hartberg
ADMIRAL Bundesliga 2026/27 | 6. Runde | Sonntag, 13. September 2026
Tivoli Stadion Tirol – Innsbruck – 1.750 Zuseher | SR Untergasser (Oberösterreich)
Tore:
0:1 Lukic (14.)
0:2 Hoffmann (44.)
1:2 Hinterseer (72.)
2:2 Satin (95./Elfmeter)
WSG: Hamzic – Murray, Boras, D. Gugganig, Oswald – Taferner, Striednig (88./Sabitzer) – Balic, Goiginger (77./Satin), Olakigbe (62./Wels) – Baden Frederiksen (62./Hinterseer)
Hartberg: Pecsi – Wilfinger (84./Drew), Schopp, Komposch (84./Spendlhofer) – Gattermayer, Kainz, Markus, Diarra (63./Postl), Dalpiaz – Hoffmann (73./Coulibaly), Lukic
Gelbe Karten: keine
Fotos: GEPA pictures | TSV Hartberg