Aufholjagd geglückt – 2:2 gegen Altach

Einer schwachen ersten, folgte eine starke zweite Halbzeit, wo unsere Blau-Weißen die Comeback-Qualitäten unter Beweis gestellt haben…


Kein Spiel für schwache Nerven, eine richtig packende Partie! Am Ende wurden die Punkte geteilt, Endstand 2:2. Schwache 35 Minuten in der ersten Halbzeit, ein völlig anderer Auftritt nach der Pause, wo unsere Mannschaft ihr wahres Gesicht präsentierte, enorm Druck machte und bereits nach einer Stunde den Torgleichstand herstellte. In der Nachspielzeit gelang sogar die komplette Wende, das Schiedsrichtergespann erkannte das Tor ab und so muss man am Ende mit dem Punkt zufrieden sein. Tolle Moral und Kämpferqualitäten in Durchgang zwei machen den Punktgewinn definitiv verdient. Am Ende gibt’s dennoch gemischte Gefühle, denn der Sieg wäre definitiv drinnen gewesen, die Leistung in der ersten Halbzeit muss aber ganz klar angesprochen und aufgearbeitet werden. Somit heißt es weiter warten auf die erste Siegesserie der Saison, in der dritten Runde der Qualifikationsgruppe gab’s das erste Remis.


Mit dem Motto „Never change a winning team!“ schickte Markus Schopp dieselbe Startelf wie zu Ostern in Ried auf das heimische Grün. Der TSV startete auch gut in die Partie, tauchte in den ersten neun Minuten zwei-, dreimal im Altacher Strafraum auf, Donis Avdijaj hatte die Topchance auf die Führung am Fuß, konnte letztlich aber kein Kapital daraus schlagen. In der 10. Minute dann die kalte Dusche und das 0:1 für die Gäste. Nach einem gut getretenen Corner war Gugganig per Kopf zur Stelle . Mit dem Gegentor riss im Hartberger Spiel völlig der Faden. Folglich fehlten die Aggressivität, die Energie, die Körpersprache – alles wirkte zu passiv und lethargisch. Viele Fehler und Ungenauigkeiten, der Auftritt ab der 10. Minute bis zur Pause war schlichtweg zu wenig. Innenverteidiger Mario Sonnleitner musste mit einer Muskelverletzung nach 27 Minuten ausgetauscht werden. Den Altachern spielte der Spielverlauf genau in die Karten und nach einer guten halben Stunde konnte die Mannschaft von Ex-Hartberg-Coach Klaus Schmidt sogar auf 0:2 stellen. Die Hartberger Defensive spielte auf Abseits, agierte zögerlich, Nuhiu bediente Jurcec per Querpass, der ohne Probleme aus wenigen Metern zur Zwei-Tore-Führung für die Vorarlberger einschoss.

Zur Pause musste sich was ändern. Nach einer klaren Kabinenansprache brachte Markus Schopp frisches Personal und reagierte mit einem Doppeltausch. Dominik Prokop und Dario Tadic anstelle von Diakite/Providence. Ab Minute 46 zogen unsere Blau-Weißen ein Powerplay auf, machten richtig Dampf, agierten wie ausgewechselt und zeigten jenes Gesicht und jene Tugenden die den TSV Egger Glas Hartberg auszeichnen. Es dauerte nicht lange, ehe die Belohnung in Form von Toren folgte. 58. Minute, Donis Avdijaj mit dem Auge für Kapitän Jürgen Heil, der sich ein Herz nahm. Sein mit rechts perfekt angetragener Schuss ins linke Kreuzeck war ein Genuss. Die Fans kamen aus dem Jubeln nicht heraus, denn zwei Minuten später der verdiente Ausgleich. Raphael Sallinger bewieß mit dem weiten Abschlag auf Dominik Frieser Übersicht. Der Flügelspieler mit einer schönen Einzelaktion und dem Lochpass auf Dominik Prokop, der für viel frischen Wind sorgte und das 2:2 besorgte. Zunächst hob der SR-Assistent die Fahne, Abseits. Nach minutenlangem VAR-Studium und zuwarten wurde der Treffer aber bestätigt, das Stadion brodelte, die Fans waren voll da! Hartberg war in diesen Minuten im „Überrollmodus“. Die nächste Riesenchance folgte nur wenige Sekunden später. Eine perfekte Vorlage von Manuel Pfeifer, doch Dario Tadic lupfte das Spielgerät über das verwaiste Tor. Bitter! Ebenso schmerzhaft, dass Prokop, der noch einen Schlenzer knapp neben das Tor setzte (68.) angeschlagen wieder vom Feld musste (79.). Die Altacher stabilisierten sich wieder ein wenig, konnten aber offensiv nicht mehr gefährlich werden. Einmal wurde es noch richtig heiß vor dem Altacher Tor. Wir sind bereits in der Nachspielzeit. Eckball Tadic, Altach-Keeper Casali verschätzte sich, Matija Horvat war zur Stelle und köpfte ein. SR-Assistent Gschliesser hob die Fahne. Der Ball soll bei der Flanke zur Mitte auch im Torout gewesen sein. Schmerzvoll, denn auf den TV-Bildern ist nicht erkennbar, dass der Ball mit vollem Umfang aus dem Spiel war. Da der Schiedsrichter aber die Situation zur großen Überraschung nicht zu Ende spielen ließ, sondern der Pfiff ertönte kurz bevor der Ball über die Linie ging, konnte und durfte auch der VAR nicht eingreifen. Bitter! Doch die Entscheidung muss akzeptiert werden, der Linienrichter ist wohl am besten gestanden. Aufzulösen wird es – aufgrund der in Österreich nicht vorhandenen Torlinientechnik – nicht sein. Bitter, so blieb der erhoffte Lucky-Punch aus. Der TSV war in Durchgang zwei die dominante Mannschaft, zeigte ein völlig anderes Gesicht, die Aufholjagd wurde mit einem mehr als verdienten Punkt belohnt, aber die Krönung blieb aus. Ein DANKE geht auch an die 2.700 Fans im Stadion, die für eine tolle Atmosphäre sorgten.


Stimmen zum Spiel:

Markus Schopp (Hartberg-Trainer): „Es waren zwei total unterschiedliche Halbzeiten. In der ersten waren wir erschreckend passiv und abwartend. Der Gegner hat problemlos 2:0 führen können, vielleicht sogar 3:0. Aber dann sind wir zurückgekommen. Am Ende gab es eine Situation (beim nicht gegebenen Tor, Anm.), wo man diskutieren kann. Da gab es die Diskussion, ob es überhaupt ein Eckball war und dann die Diskussion ob der Ball tatsächlich im Aus war. Es ist dann schwer zu sagen, daher ärgerlich. Aber über die 90 Minuten muss man mit dem Punkt zufrieden sein.“

Klaus Schmidt (Altach-Trainer): „Nach der ersten Halbzeit wäre es fast von alleine gegangen, aber dann hat Hartberg richtig gut geantwortet. Wir haben eine Viertelstunde den Faden verloren und zwei Tore bekommen. Auf einmal war das Stadion auch voll da. Normalerweise verliert man solche Spiele dann mit 4:2, wenn man so überrannt wird. Aber die Mannschaft hat sich nach den zwei Gegentoren überragend zurückgekämpft und den Punkt noch verdient. Obwohl wir die Partie in der ersten Halbzeit nach Hause spielen hätten können. Hartberg hat in der zweiten Halbzeit ‚all-in‘ gespielt. Jetzt heißt es Mund abwischen und das Körndl mitnehmen. Ich glaube man darf nicht unzufrieden sein, wenn man in dieser schweren Qualigruppe auswärts einen Punkt macht.“

Dominik Prokop (TSV-Torschütze): „Wir haben gut begonnen, dann haben wir ein Standardtor bekommen, das uns verunsichert und aus der Bahn geworfen hat. Das darf uns so nicht passieren. Wir haben das zweite Halbzeit gut gemacht und ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte. Am Ende war es ein verdienter Punkt, ein Punkt der Moral. Am Ende wäre sogar noch mehr drinnen gewesen.“

Jürgen Heil (TSV-Torschütze): „Sehr schwache erste Halbzeit. Wir sind zwar gut in die Partie gekommen, aber nach dem 0:1 war es ein Bruch in unserem Spiel. Das darf nicht passieren. Vor der Moral kann man dann nur den Hut ziehen. Wie wir uns zurückgekämpft haben ist großartig, das muss uns ein gutes Gefühl verleihen. Aus so einem Spiel noch einen Punkt mitzunehmen, ist sehr viel Wert.“

Donis Avdijaj (TSV-Spieler): „Wir haben zwei verschiedene Halbzeit gesehen, Tag und Nacht. Ich denke, dass wir nicht viel Zeit bis zum nächsten Spiel haben, aber versuchen müssen, die Leistung der zweiten Halbzeit über 90 Minuten auf den Platz zu bringen, denn dann können wir jeden Gegner schlagen. Ein Lob an die Mannschaft, wir haben uns super zurückgekämpft und hätten das Spiel noch gewinnen können. Nach dem Verlauf der zweiten Halbzeit sind wir alle ein wenig unzufrieden, dass es nicht mehr geworden ist.“


Admiral Bundesliga 2022/23 | 25. Runde | Samstag, 15. April 2023

TSV Egger Glas Hartberg 2:2 (0:2) SCR Altach

Profertil Arena – Hartberg, 2.688 Zuseher | SR Heiß (Tirol)

Spielhighlights: #HTBALT-Highlights

Tore:
0:1 Gugganig (10.)
0:2 Jurcec (33.)
1:2 Heil (58.)
2:2 Prokop (60.)

Hartberg: Sallinger – Kainz, Rotter, Sonnleitner (27./Karamarko), Pfeifer – Diakite (46./Prokop/79. Fadinger) – Frieser, Sangare (83./Horvat), Heil, Avdijaj – Providence (46./Tadic)

Altach: Casali – Strauss, Gugganig, Edokpolor, Herold – Thurnwald, Jäger, Haudum (77./Tartarotti), Jurcec (59./Aigner) – Bischof (77./Lazetic), Nuhiu (93./Ndiaye)

Gelbe Karten: Sallinger bzw. Edokpolor, Strauss, Aigner, Jäger

Fotos: GEPA pictures | TSV Hartberg